Deshalb immer wieder Vietnam

Was macht die Faszination Vietnams aus? Weshalb zieht es uns immer dorthin? Ein Erklärungsversuch. Und Hanoi.

Der Moment, wenn sich die Türen des Flughafens öffnen und ich das erste Mal vietnamesische Luft einatme. Feucht. Heiss. Würzig. Stickig. Ich bin zuhause.

So wie dieses Mal. Gelandet im Noi Bai, dem Flughafen von Hanoi. Raus. Atmen. Eine Zigarette. Der Transfer in die Unterkunft, dieses Mal das Homestay NuSmile der liebenswürdigen Nụ. Sie hat für uns und die anderen beiden Gäste gekocht. Uns eingeladen. Schliesslich ist Tết, Neujahr. Eine Zeit der Ferien und Feiern.

Hanoi Homestay Gastfreundschaft
Nụ hat für alle Gäste in ihrem Homestay gekocht. Chúc súc khoẻ!

Den ganzen Nachmittag ist Nụ in der Küche gestanden und hat typische nordvietnamesische Spezialitäten zubereitet. Wir waren mit unserem Freund Bruce verabredet, einem Australier, der seit bald zehn Jahren in Hanoi lebt. Natürlich durfte er zu Besuch kommen. Alle zusammen haben wir gegessen. Genossen. Mit Rotwein (die letzte Flasche aus dem Circle K, einem kleinen Supermarkt, der in Vietnam an jeder Ecke zu finden ist) und selbst gemachtem Reiswein. Oder wars Vodka? Egal.

Vietnam, Herzlichkeit und Freundlichkeit

Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Das ist, wenn du beim zweiten Besuch in der Strassenküche wiedererkannt und mit einem Lächeln begrüsst wirst. Du versuchst, ein paar Brocken vietnamesisch zu sprechen. Eher radebrechen. Und mal verstanden wirst, mal nicht. Der Keller im Restaurant französisch spricht und du dich über Hanoi unterhältst und Zukunftspläne. Deine, seine. Dabei dem Treiben unten in der Strasse zuschaust. Der älteren Dame, die gegenüber einen kleinen Lebensmittelladen betreibt und in ihrem Stühlchen schläft. Den Touristen. Dem Verkehr, der an Tết viel geringer und trotzdem viel und laut und gedrängt ist.

Hanoi Altstadt Menschen Shop
Ein kleiner Laden in der Altstadt von Hanoi.

Willkommen in einer Welt der Freundlichkeit und Gelassenheit. Viele haben wenig und wirken trotzdem zufrieden. Berührungsängste? Kaum. Ich glaube, die Vietnamesen sind es sich gewohnt, auf engem Raum zu leben, zusammenzuleben. Natürlich, die Sprache ist ein Hindernis für uns – ich bin längst nicht so weit, mich auf Vietnamesisch unterhalten zu können. Und dann schlenderst du durch die Strassen und eine Einheimische kommt aus dem Strassencafé auf uns zu und will ein Selfie machen. Lacht. Wir lachen zurück. Machen ein zweites Selfie mit unserem Smartphone. Und das Sprachhindernis schmilzt wie Eis bei diesen Temperaturen – es ist Februar und mit rund 30 Grad selbst für Hanoi warm.

Und jetzt sitze ich in einem Café – eher eine Sisha-Bar – und schreibe und lasse die Eindrücke wirken. Die Gäste, angeregte Unterhaltungen, und ich verstehe kein Wort. Und fühle mich trotzdem aufgesogen in diesem Strudel des Lebens, der jeden sofort mitreisst, wenn er sich mitreissen lassen will.

Vietnam, Leben und Herzenswärme

Ich wollte erklären, weshalb wir immer und immer wieder nach Vietnam reisen. Und kann nur unsere Eindrücke schildern. Fühle mich zuhause. Emotional aufgesogen, aufgenommen, geborgen. Und werde traurig beim Gedanken, dass ich schon viel zu bald diesen Strudel wieder verlassen und in die Schweiz zurückkehren muss. In ein Land, das mir jetzt gerade fern und kalt vorkommt. Ich wünschte, ich könnte wenigstens ein Stück Herzenswärme mitnehmen!

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Eine Antwort auf „Deshalb immer wieder Vietnam“

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