Hin und weg

Am Donnerstag fliegen wir wieder nach Vietnam, entfliehen der hiesigen Kälte. Im März war ich zum ersten Mal in diesem faszinierenden Land. Ein Rückblick aus Vorfreude.

Am Samstagabend, dem 18 März 2017, sind wir in Ho Chi Minh City gelandet. Erster Eindruck: laut, warm – und cool! Im Shuttle-Taxi vom Flughafen ins Hotel habe ich mich von den Eindrücken überwältigen lassen. Roller, Autos, noch mehr Roller, Gehupe, eine ganze Familie auf einem Roller, halsbrecherische Fahrweise, jedenfalls für europäische Verhältnisse. Und dennoch, der ganzen Hektik fehlt der Stress. Auch das, ganz anders als in Europa.

Von Dubai nach Hoh Chi Minh City

Dabei war der Start wenn auch nicht atemberaubend, so doch schlafraubend. Mit dem Airbus A380 spätabends von Zürich abgeflogen nach Dubai, wo wir umsteigen mussten. Ein sanfter Start, wie ich ihn noch nie erlebt habe, ein ebensolches Entertainment-System. Und bei allem Rotwein fast kein Auge zugetan. Ich schlafe schlecht im Flugzeug. Das war früher anders.

Dann in Dubai angekommen, ein Ort, so unwirklich, dass er als Phantasievorstellung glatt unglaubwürdig wirkte. Menschen, noch mehr Menschen, aus allen möglichen Ländern – ich kann sie nicht einordnen. Dubai, Nabel und vor allem Drehscheibe zum fernen und ferneren Osten. Die Übermüdung verstärkt das Unwirkliche.

Dubai aus dem Flugzeug
Wüste und Wolkenkratze: Dubai aus dem Flugzeug aus gesehen.

Dann der Weiterflug, ohne Zeitgefühl, geschlafen, um 11 Uhr Ortszeit zu Mittag gegessen, nochmals etwas geschlafen, «La La Land» geschaut – sehenswert, die erste Hälfte verschlafen, die zweite durchgeweint. Und dann waren wir da. Rausgekommen in die Hitze, den Lärm, die Überwältigung. Atemberaubend, toll.

Hitze, aber keine Hektik

Die Zeit vergeht wie im Fluge – zumindest im sprichwörtlichen Sinn, denn im Flug kam mir die Zeit lang vor, endlos, zeitlos. In der ersten Nacht elf Stunden geschlafen, um elf erwacht, wie aus dem Tiefschlaf gerissen, trotzdem sofort hellwach: Ich bin in Asien, in Vietnam, in Ho Chi Minh City!

Kaffee und raus, weil das Frühstück eh verpasst. Auf dem Weg zum Ben Thangh eine SIM-Karte gekauft, und so habe ich jetzt auf dem Zweithandy unterwegs Internet (kein Telefon, aber wozu auch? Dafür genügend Datenvolumen für den Rest der Ferien). Dann der erste «weisse» vietnamesische Kaffee: Espresso mit Kondensmilch und Eis. Der erste Eiskaffee meines Lebens. Aber bei 32 Grad und tropischer Luftfeuchtigkeit genau das richtige. Genossen in einem noblen Café vis-à-vis des Ben Thanh. Aber was heisst hier schon nobel? Drei Franken irgendwas für einen Kaffee, von solchen Preisen kann ich in Zürich nur träumen. Genauso wie davon, bei meiner gehassliebten Hausbank einfach so mal eine Million am Bankomaten zu beziehen. Hier sind das umgerechnet gerade mal etwa 50 Franken.

Vietnamese white coffee braucht Zeit.
Vietnamese white coffee braucht Zeit.

Und geraucht dazu, auf der Terrasse des Cafés. Überhaupt, Wärme animiert zum Rauchen. Es ist, als ob Koffein, Nikotin und der Alkohol des Bieres (lokal) an mir vorbeiziehen würde – oder in der Wärme einfach verdampft, sich mit dem permanenten Gehupe der Roller und Autos und der tropischen Wärme zu einer Einheit vermischt, zu einem Feriengefühl. Einem Lebensgefühl.

Die Nachmittage dann am Pool auf dem Dach des Hotels, eine willkommene Abkühlung. Auch der Geist kann sich wieder auf die unmittelbaren Empfindungen konzentrieren, das kühle Wasser auf der Haut, der Wind, der bei diesen Temperaturen nur angenehm wirkt. Sogar die permanenten Strassengeräusche wirken gedämpft.

Danach wieder eintauchen in diesen Mix aus Tradition und Moderne, wo neben dem Fahrrad der Obstverkäuferin der Rolls-Royce vorbeirauscht. Eine Bandbreite und Fülle, wie es sie auch anderswo geben mag, wie ich sie aber noch nie erlebt habe. Geniessend, beobachtend, und ständig an der Grenze zur Wahrnehmungsüberforderung. So geht es wohl jemandem, der zum ersten Mal ein asiatisches Land besucht und eintaucht in eine Stadt, die gleich viele Einwohner zählt wie die gesamte Schweiz. Und mit einem Verkehr, der trotz des chaotischen Eindrucks so gut zu funktionieren scheint, dass ich mich automatisch frage, ob denn die Schweiz mit ihren vielen Strassenverkehrsregeln so viel besser ist?

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