Sommerferien an der Côte d’Azur. Und ein bisschen Vietnam.

Wir sind in – Frankreich, nicht in Vietnam. An der Côte d’Azur, wo es auch im Sommer noch schöne Ecken gibt. Und ja, ganz ohne Vietnam geht es nicht.

Andere Ferien: Diesen Sommer sind wir nicht nach Vietnam gereist. Sondern für eine Woche nach Frankreich, via Aix-Les-Bains an die Côte d’Azur ans Mittelmeer. Die Côte im Sommer? Überfüllte Strände und Restaurants? Die Antwort: Es kommt darauf an.

Wir sind in La Ciotat, einem malerischen Städchen zwischen Marseille und Toulon. Ein Ort, von dem ich vorher noch nie gehört habe. Und dessen Bucht zu den schönsten der Welt gehören soll – neben der Ha Long Bay und anderen, die ich wieder vergessen habe.

Altstadt von Aix-Les-Bains.

Dans la campagne. Und musikalische Erinnerungen.

Wir sind angereist von Aix-Les-Bains aus, das wir im April kennengelernt haben. Ein Badekurort in der Savoie, wo meine Frau Rachel und ich am Konzert von Francis Cabrel waren. Schöne Erinnerungen. Doch dieses Mal hat uns Aix leider mit einem Regentag begrüsst. Die Sonne und damit der Sommer kamen erst an unserem Abreisetag zurück. Und haben uns seither nicht mehr verlassen.

Welchen Weg nehmen? Den kürzeren langsamen oder die weitere Strecke über die Autobahn? Wir entschieden uns für ersteres. Wir hatten ja Zeit. Doch der Weg war wirklich lang. Landstrassen, eine Umleitung durch ein Bergdorf im Nirgendwo. Und Grenoble. «Echirolles centre, banlieue sud de Grenoble…» beginnt ein Chanson von Calogero, das ich sehr mag und das ebenso schön wie traurig ist. Ach Calo, à bientôt, j’éspère!

Pause im Nirgendwo zwischen Aix-Les-Bains und La Ciotat.

Dann endlich wieder die Autoroute. Viele peages, wenig Verkehr. Wir kommen gut voran mit unserem Dacia Duster, der hier in Frankreich höchstens wegen der Schweizer Nummer auffällt. Kurz nach Aix-En-Provence das erste Mal la Méditeranée! Und dann sind wir auch schon in La Ciotat. Finden einen Parkplatz (ein Glücksfall!) nicht weit von unserer Unterkunft mitten in der Altstadt und direkt beim vieux port. Diese Farben! Blauer Himmel, blaues Meer. Wir sind hin und weg.

Der alte Hafen, wenig überraschend die Touristenmeile. Ein Restaurant am anderen, im Wasser eine 30-Meter-Yacht, die mal Michael Schuhmacher gehört hat. Viele Leute. Und viel Französisch. Es hat kaum ausländische Touristen hier. Ab und zu eine holländische Familie, ein Auto mit Schweizer Kennzeichen. Aber Französisch dominiert. Ein Heimspiel für Rachel, die bilingue ist und sich hier genauso souverän verständigt wie zu Hause. Ich bin stolz auf sie und etwas eifersüchtig zugleich.

Über die Gasse in eine andere Welt. Und das Glück von Saigon.

Wir sind müde nach der sechsstündigen Fahrt. Finden schnell unsere Stammbeiz, eine familiäre Creperie am Hafen. Die Menschen freundlich, doch der erste Abend kaum erwähnenswert. Meine Laune bessert sich nicht, als die brasilianischen Capoeira-Tänzer vor dem Touristenmarkt auffahren. Zehn Minuten Show, dann abkassieren und 100 Meter weiter dasselbe Spektakel. Ce n’est pas mon stile.

Doch zum Glück hat La Ciotat noch andere Seiten. Weg vom Hafen in die Altstadt, und wir stehen mitten im Alltagsleben. Wohnungen, Einheimische, wenige Läden und viel Französisch. Ça nous plaît!

Erst recht, als wir ein vietnamesisches Restaurant auf Google Maps entdecken. «Au bonheur de Saigon». Es ist klar, dass wir dort essen werden. Als ich den Chef mit meinem wenigen Vietnamesisch begrüsse, beginnt er beinahe zu weinen. Ah, les souvenirs! Für beide. Irgendwann müssen wir wieder hin nach Vietnam. Trotz der langen Reise, der Vertouristisierung des Landes, der vielen Bausünden und der miserablen Infrastruktur. Ein «Saigon Export» hilft für den Moment übers Fernweh hinweg, das ausgezeichnete Essen sowieso. Aber trotzdem freue ich mich auf ein b¡a Sai Gon xanh an einer Strassenecke von Ho Chi Minh City. Irgendwann wieder…

Finalement arrivé!

Und jetzt sitze ich im gemütlichen Café de l’horloge (free Wifi, eher die Ausnahme hier), geniesse die Ruhe und una birra Moretti. Weshalb servieren die Restaurants in Frankreich eigentlich nur belgische oder italienische Biere? Dieses Geheimnis werde ich wohl nicht lüften.

Es gefällt mir, uns, hier. Wir möchten wiederkommen. Wieder ein Ort, der es uns angetan hat. Das Meer. Die Wärme. Freundliche Menschen. La France. Et je dis à bientôt!

Vivre comme 2CV en France!
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