Vietnamesisch oder von den Schwierigkeiten, eine asiatische Sprache zu lernen

Wer ein Land bereist, sollte die Sprache können. Zumindest ein bisschen. Mit Sprachlern-Apps ist das ja alles ganz einfach. Oder doch nicht? Eine Sprachreise von «Ich esse Huhn» zu «Ich selbst essen Menü Huhn» und weshalb «Nudelsuppe» und «Strasse» leicht zu verwechseln sind.

Xin chào! Wenn ich in einem fremden Land bin, will ich die Sprache ein bisschen verstehen. Und da mich Vietnam gepackt hat und wir bald wieder dorthin reisen, habe ich beschlossen, Vietnamesisch zu lernen. Zumindest ein bisschen.

Vielleicht war es ganz gut, war mir nicht bewusst, welche Schwierigkeiten da auf mich zukommen. Ok, immerhin schreiben Vietnamesen mit lateinischen Buchstaben. Aber damit hat es sich bereits mit den Gemeinsamkeiten. Vietnamesisch ist eine Lautsprache (weiss nicht, ob dieser Ausdruck stimmt). Es gibt sechs Tonhöhen, die mit diakritischen Zeichen (Akzenten) angegeben werden. Das tönt zwar melodiös, ist aber schwierig und ein Paradies für Missverständnisse. Beispiel? Wer in einem Restaurant die berühmte Nudelsuppe «Pho» mit «Foo» bestellt, erntet unverständliche Blicke. Denn die Suppe spricht sich «Faa» aus. «Foo» (phố) heisst Strasse. Die Suppe schreibt sich Phở. Was habe ich mir da nur eingebrockt!

Vietnamesische Nudelsuppe Pho: Aussprache
Die berühmte Nudelsuppe «Pho», hier im Café de la Poste in Saigon.

Gut, davon lasse ich mich nicht abhalten. Immerhin kann ich schon ein Bier bestellen (Tôi muốn uống bia, was wörtlich «Ich möchte ein Bier trinken» heisst). Oder wahlweise cà phê – immerhin sind einige Worte dem Französischen entnommen. Und dank Duolingo kann ich wenigstens üben, üben üben (Englisch-Vietnamesisch, aber vergesst mal das mit dem kostenlos).

Das Huhn-Menü-Problem

Bis ich die Kommentare entdeckt habe. Die sind hilfreich, zu verstehen, weshalb es jetzt «dĩa gà» heisst, wo ich doch «con gà» für «Huhn» gelernt habe – ah, Vietnamesisch arbeitet mit Klassifizierern statt Artikeln. Und es ist ein Unterschied, ob ich vom «Tier Huhn» rede oder vom «Menü Huhn». Hätte ich in obigem Restaurant nach der «Strasse» noch ein lebendiges Huhn bestellt, hätten sie uns wohl rausgeworfen.

Aber eben, Kommentare. Da bin ich stolz darauf, dass ich endlich «tôi» für «ich» richtig schreiben kann («Tôi thích Việt Nam»). Da lese ich, dass Vietnamesen «tôi» eigentlich nicht brauchen, sondern «mính» («ich selbst»). Und damit verabschiede ich mich für heute mit einem herzlichen «tạm biệt» (oder heisst es jetzt «xin tạm biệt» oder doch einfach «bye bye»?).

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