Wandern und andere Ausschweifungen

Wanderparadies Ötztal – ja, wenn man denn gerne wandert. Und wenn man dann doch aufbricht, landet man unversehens in einem Hexenwald.

Meine Kinder und ich sind nicht gerade als Wandervögel bekannt. Obwohl wir im Ötztal mitten in einem Wanderparadies sitzen – sechs Stunden hoch und fünf wieder runter, direkt vor der Haustür –, haben wir es bis jetzt sehr gemütlich genommen. Doch ein bisschen Ehrgeiz ist sogar mir geblieben, und so haben wir eine kleine Tour unternommen, den rund sechs Kilometer langen Winkelberglauf, der am idyllischen Winkelsee vorbei führt. Geübte Geländeläufer könnten die Strecke auch rennen, wir haben lieber den schönen Wald genossen. Und so sind wir nach über einer Stunde erst bei Kilometer Zwei angekommen, schliesslich mussten wir unterwegs die Hexenhöhle besichtigen und die zahlreichen ausgestopften Tiere im «Zauberwald», dessen Boden ungezählte Heidelbeerstauden säumen.

Hexenwald Au Ötztal
Wer wohl in dieser Hexenhöhle wohnt? Bei unserem Besuch war niemand zuhause.

Faszinierend: Eine Viertelstunde von unserer Ferienhaustür befanden wir uns in einer ganz anderen Welt, einem ruhigen Bergwald, fernab vom bescheidenen Zivilisationslärm des Ötztals. Der sich im Übrigen ohnehin auf den Verkehrslärm der Hauptstrasse und das Bimmeln der Kuhglocken beschränkt. Faszinierend auch, wie der Wald sich auf die Stimmung auswirkt. Wald beruhigt, und bald waren die kleinen Streitigkeiten beim Aufbruch einer ruhigen, entspannten Atmosphäre gewichen. Wald ist wohl eins der besten und natürlichsten Antistressmittel, für Kinder wie Erwachsene.

Wald Winkelberg Ötztal
«Unser» Bergwald vor der Ferienhaustür.

Und natürlich kann ein Waldspaziergang – als Wanderung wage ich unseren zweistündigen Ausflug kaum zu bezeichnen – auch die Gedanken anregen. Dazu hätte es nicht einmal die Hexenhöhle gebraucht. Vielleicht war es der Waldspaziergang, der spätabends unerwartet meine Gedanken ausschweifen liess? Ich lag schon fast im Bett, als mir so unerwartet wie die Hexenhöhle im Wald plötzlich neue Ideen zu meinem Roman kamen. Ein kleiner Gedankenblitz genügte, um mir den Tonfall des Romans klar zu machen. Bislang haftete den Ideen ein viel zu ernsthafter Klang an. Ich mag es aber, Figuren sanft zu überzeichnen, und das werde ich auch in dieser Geschichte so handhaben – so der Roman denn jemals zustande kommt.

PS: Und wenn ihr euch jetzt gefragt habt, wann denn endlich die im Titel grossspurig angekündigten Ausschweifungen kommen: Wie gesagt, ich neige zur Überzeichnung 😉

 

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