Warum immer Ötztal?

Weshalb reisen wir eigentlich immer ins Ötztal? Seit vier Jahren in dieselbe Ferienwohnung auf dem immergleichen Bauernhof. Eine Antwort, auch auf einen Facebook-Kommentar.

«Immer ins Ötztal. Ist das nicht etwas spiessig?» hat ein Freund von mir letzthin auf Facebook kommentiert. Und tatsächlich, ich bin mit meinen Kindern heuer das zwölfte Mal hier in der Ferienwohnung auf dem Honzar-Hof. Nach der Trennung waren wir das erste Mal hier, damals hatten uns der Zufall und der günstige Preis hierher geführt. Mittlerweile ist der Honzar-Hof so etwas wie unser Refugium. Die Vorfreude ist jeweils gross. Und wenn wir ankommen, ist es wie zuhause zu sein. Das beginnt, wenn wir von der Inntal-Autobahn ins Ötztal abbiegen, und endet mit dem wehmütigen Anlassen des Motors bei der Abfahrt und dem letzten Blick zurück.

Das ist es wahrscheinlich, eine Heimat, eine vertraute Konstante in wechselhaften Zeiten. Das gibt uns Halt. Schulwechsel, neue Lebensabschnitte, neue Beziehung – stets müssen wir uns neu orientieren. Aber der Honzar-Hof bleibt. Der Stall am Morgen und Abend. Stöckchen werfen mit Hofhund «Lucky». Baden im Badesee oder Aqua Dom (der für uns drei mittlerweile 60 Euro Eintritt kostet, genug fürs Gebotene). Einkaufen im «Spar» in Längenfeld. Zigaretten holen am Kiosk. Znacht kochen und Ö3 hören, während die Kinder im Stall sind. Die Aussicht. Vertraute Rituale. Und selbst die Kühlschranktür klemmt immer noch ein bisschen, wie beim ersten Besuch hier.

Das Ötztal ist quasi unsere Filter-Bubble, in die wir uns in den Ferien zurückziehen, um den Alltag hinter uns zu lassen und in Ruhe und Vertrautheit Energie zu tanken. Was nicht heisst, dass unser Leben «ausserhalb» nicht auch eindringt. Diese Ferien werden anders als die vorherigen – und ich hoffe sehr, für alle im positiven Sinn. Doch mehr davon später.

Während ich hier draussen an meinem Lieblingsplatz auf dem Balkon sass und schrieb, ist eine Regenfront vorbeigezogen. Doch bereits scheint wieder die Sonne zwischen den Wolkenfetzen hindurch. Das Wetter kann hier schnell umschlagen. Auch das ist mittlerweile eine Konstante, die zu unseren Ferien im Ötztal gehört.

Werden wir auch künftig ins Ötztal reisen und uns in unsere «Bubble» zurückziehen? Das gehört zu den Unwägbarkeiten des Lebens. Die Kinder werden älter, gehen andere, eigene Wege. Und das Leben unserer Gastgeber, die längst zu mehr geworden sind, kann neue Bahnen einschlagen. Wir wissen nicht, was die – unsere – Zukunft bringt. Und deshalb geniessen wir, mein lieber Freund und Facebook-Kommentator, unsere Zeit im Ötztal, am immergleichen Ort.

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Eine Antwort auf „Warum immer Ötztal?“

  1. Ich habe den Kommentar gelesen. Und ich fand ihn mehr als daneben. Was hätte ich drauf los geschossen. Aber es war dein Profil.

    Ich war das Kind, das an immer den gleichen Ort in die Ferien ging. Und es war wunderbar. Spiessig? Das sagen die, welche sowas nicht kennen. Es gibt nichts Schöneres als das Gefühl, anzukommen. Kontinuität. Danach streben wir alle. Und wir können sie je länger je weniger halten. Schön, wenn es noch Dinge gibt, wo es klappt.

    Lass sie reden. Sie wissen nicht, was sie sagen.

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